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 Experte fordert Umgangsrechte für Großeltern

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BeitragThema: Experte fordert Umgangsrechte für Großeltern   Mi 14 Dez 2011 - 12:01

Kinderkommission (Anhörung) - 10.11.2011
Berlin: (hib/EIS) Scheiden sich Ehepartner, werden oft auch die Großeltern von ihren Enkeln getrennt. Ein Problem, das bei Sorgerechtsstreitigkeiten selten Beachtung findet. In einem Expertengespräch zum Thema „Trennung von den Großeltern durch Trennung der Eltern“ befasste sich die Kinderkommission (Kiko) am Mittwoch mit diesem Aspekt.

Der Gesetzgeber regelt die Rechte und Pflichten zwischen Großeltern und Enkeln nicht. „Im Regelfall wird das Verhältnis durch die Eltern moderiert“, erläuterte Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut. Einen Rechtanspruch auf Umgang gebe es nicht. Der Sachverständige stellte fest, dass mit der Abnahme traditioneller Familienmodelle die Mannigfaltigkeit der Generationenbeziehungen steige. Also nach Scheidung und Wiederverheiratung oder Trennung unverheirateter Paare die Anzahl der Großeltern die Anzahl der Enkel im Regelfall übersteigt. Durch neue Partnerschaften kämen auch neue Großeltern in die neuen Familienzusammenschlüsse dazu. „Es kann vorkommen, dass einem Kind bis zu acht Großeltern gegenüberstehen“, sagte Alt. Doch dieser Fall trete selten ein.

Der Wissenschaftler erklärte, dass in der Praxis oft nur „die Großeltern mütterlicherseits eine enge Beziehung zu ihren Enkeln pflegen, während das Verhältnis väterlicherseits oft verhalten ist“. Das liegt nach Ansicht Alts aber nicht an den Großeltern: „Der Antrieb ist da, den Kontakt zu halten.“ Doch es bedürfe einer Kultur des Umgangs, die sich die Eltern erarbeiten müssen, um mit den Konsequenzen einer Trennung umgehen zu lernen. Das gelinge jedoch nicht immer und führe schließlich zum Entzug familiärer Bindungen zu den Verwandten der Ex-Partner.

Aus diesem Grund sah Christian Alt eine Aufgabe der Politik darin, das Recht der Großeltern auf Umgang mit den Enkeln zu regeln. Als mögliches Vorbild nannte er die bereits in der Familienpolitik umgesetzte Stärkung der Umgangsrechte geschiedener Väter mit ihren Kindern gegenüber den Müttern.

Rita Boegershausen von der Bundesinitiative Großeltern sah eine Ursache des Entzugs der Enkel von ihren Großeltern darin begründet, dass die Kinder nicht im Mittelpunkt bei Scheidungsfragen stehen, sondern Mittel seien.
„Die Begleitindustrie setzt sich nicht für die Interessen der Kinder ein“, kritisierte sie scharf und erläuterte, dass Gutachter, Anwälte und Richter nicht genügend zur Deeskalation von Streitigkeiten beitragen würden.
Sie forderte die Schaffung eines Ombudsmannes, der schon frühzeitig eingreifen sollte, wenn heftiger Trennungsstreit vor Gericht zum Nachteil anderer Familienmitglieder das Zusammenleben verhindere.
„Kinder haben ein Recht auf Mutter und Vater und sie haben ein Recht auf die gesamte Familie“, sagte Boegershausen.

Helga Krull vom Großelterndienst Berlin berichtete von der Vermittlung sogenannter Wunschgroßeltern. Ein Ausweg für Großeltern, die keinen Kontakt mehr zu ihren Enkeln haben.
Rund 500 Freiwillige würden sich in Berlin in rund 600 Familien auf diese Weise circa 800 Kindern annehmen. „Sie können Zeit schenken und die Eltern profitieren davon“, sagte Krull. Bei dieser Form der Wunschgroßeltern-Wunschenkel-Beziehung stehe die Betreuungsfunktion im Mittelpunkt. Die Mütter würden davon profitieren, weil sie ohne diese konkrete Unterstützung oft keinen Beruf ausüben könnten.



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BeitragThema: Kinder brauchen Großeltern   Fr 16 Dez 2011 - 12:11

Großeltern bereichern das Familienleben
Wie sich ein gutes Verhältnis zwischen den drei Generationen fördern und erhalten lässt
von Helga Gürtler

Großeltern ergänzen und bereichern das Familienleben. Ohne sie können Kinder zwar leben, aber ihr Leben wird ärmer und unter Umständen auch schwieriger. Familien werden heute immer kleiner; zwei Elternteile, häufig sogar nur einer, leben mit zwei oder einem Kind zusammen. Ein Kind ist also im Extremfall mit all seinen Sorgen auf nur einen Erwachsenen angewiesen. Jeder ist dem anderen Ein und Alles, jeder Kummer, jeder Ärger, jede Laune des einen teilt sich unausweichlich auch dem anderen mit. Wie entlastend ist es dagegen, wenn eine Mutter die Sorge um ihr Kind mit einem erwachsenen Partner teilen, wenn ein Kind seinen Frust über Papas Verhalten bei Mama, Tante oder älterer Schwester abladen kann. Je kleiner die Kernfamilie, desto dringender sollte sie sich mit anderen geliebten und vertrauten Menschen umgeben, die entlasten, trösten und ausgleichen können. Die Großeltern liegen da am nächsten.

Kinder brauchen Großeltern

Enkel schätzen an ihren Großeltern, was sie in ihren Eltern aus verschiedenen Gründen nicht haben können: Menschen, die nicht in Eile leben, die alles nicht so verbissen sehen, die eher mal fünfe gerade sein lassen, auch mal eine verrückte Dummheit mitmachen und sich darauf einlassen, Mama nichts davon zu erzählen. Und weil im Grunde alle allen sehr zugetan sind, leidet das gute Einvernehmen darunter nur vorübergehend.
Für die Enkel sind Großeltern außerdem lebendige Zeugen einer Zeit, die sie sonst nur noch aus Büchern oder alten Filmen kennen. Die kleinen Alltäglichkeiten, die Opa und Oma erzählen, machen Geschichte lebendig: Das prägt sich ein.

Auch die Großeltern profitieren

Enkelkinder bieten Großeltern die Chance, das, was man an der Erziehung der eigenen Kinder im Nachhinein nicht so gut findet, noch einmal neu und anders auszuprobieren. Wie viele Väter bedauern es zum Beispiel, ihren eigenen Kindern zu wenig Zeit gewidmet, sich zu wenig für ihre Entwicklung, ihre Spiele und Gedanken interessiert zu haben. Bei der Betreuung der Enkel können sie das nachholen.
Mit Kindern umzugehen erfordert, geistig wie körperlich beweglich zu bleiben, immer wieder etwas Neues kennen zu lernen, aufzunehmen und sich damit auseinander zu setzen. Den Enkeln bei den Hausaufgaben zu helfen ist mindestens so gut wie ein Volkshochschulkurs zum Gedächtnistraining für Senioren.

Das Verhältnis sanieren

Ein gutes Verhältnis zwischen den drei Generationen besteht dann, wenn alle erleben, dass das Miteinander zwar gelegentlich auch Ärger oder Belastungen mit sich bringt, vor allem aber Bereicherung und Zufriedenheit für alle. Niemand sollte sich ausgenutzt, ausgebeutet, missachtet oder unverstanden fühlen. So ein gutes, liebevolles, für alle Beteiligten erfreuliches und fruchtbringendes Verhältnis fällt jedoch nicht vom Himmel; das muss man sich erarbeiten.

Dazu gehört vor allem, dass Gereiztheiten zwischen Eltern und Großeltern aufgespürt und ausgeräumt werden. Was gärt da an Eifersucht und Vorbehalten? Was ist übrig geblieben aus Zeiten, als die Eltern selbst noch Kinder waren? Wenn zum Beispiel eine Mutter als Kind und
Jugendliche immer darunter gelitten hat, dass ihre Eltern sie zu sehr "unter der Fuchtel" hielten, dann wird sie die eigenen Kinder als willkommenen Anlass nutzen, endlich klar zu machen, dass sie jetzt bestimmt, wo es langgeht. Oder Eltern und Großeltern buhlen eifersüchtig um die größere Zuneigung der Kinder - wenn es sein muss auch mit Bestechung - um sich gegenseitig zu beweisen, dass sie die Liebenswerteren sind.
Auch manche Auseinandersetzung um Verwöhnung oder schlechte Manieren der Kinder ist eher ein Machtkampf als eine Meinungsverschiedenheit über Erziehungsmethoden. Die Kinder sind sozusagen das Medium, über das Eltern und Großeltern ihre Konflikte austragen. Über solche tiefer liegenden Beziehungsprobleme gilt es nachzudenken - dann sind unterschiedliche Erziehungsvorstellungen nur noch halb so schlimm. Kinder lernen sehr schnell, bei wem was erlaubt ist und was nicht. Es erweitert ihren sozialen Horizont, wenn sie unterschiedliche Arten kennen lernen, mit dem Leben umzugehen. Sie sollten aber immer erleben, dass Eltern und Großeltern mit Zuneigung und Achtung voneinander sprechen.


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