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 Mit weiteren Menschen kommunizieren.....

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Susanne 1958
Admin


Anzahl der Beiträge: 55

BeitragThema: Mit weiteren Menschen kommunizieren.....   Fr 10 Feb 2012 - 19:43

Zitat:
Susanne1958
Dienstag, 6. Dezember 2011 12:08


Guten Tag zusammen,

die von A.Kindt glücklicherweise angeschobene Diskussion und Enttabuisierung zum Thema “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen” ist sehr wichtig – für alle Beteiligten.

Mir fällt auf, dass speziell von Müttern extrem viel abverlangt wird: ständig richtiges Handeln, allerhöchste Aufmerksamkeit, übernatürliches Verständnis,generelle Verfügbarkeit, permanente Liebesfähigkeit usw.usw.

Mütter sind keine Roboter, sondern Menschen mit eigener Vorgeschichte u. Prägung.
Sie leben auch als Mutter ihr MENSCHsein, haben eigene Probleme und eigene Bedürfnisse, die im Mutterdasein nicht einfach verschwinden.

In der Regel erfüllen sie ihre Rolle als Mutter – meist so gut, wie sie es können und ihre eigene Lebenssituation es erlaubt.
Oft sogar darüber hinaus noch besser, indem sie sich verausgaben, die Kinder zuerst bedenken und sich selber an letzte Stelle platzieren.

Mütter verfügen aber nicht permanent über alles Postive, so sehr Kinder sich das auch wünschen, teilweise sogar glauben, verlangen zu können.

Mütter sind Menschen, keine Maschinen.
Sie verfügen über bestimmte Fähigkeiten, aber nicht über alle, nicht jederzeit, nicht immer und nicht sofort.

Die Erwartung, eine Mutter muss ALLES können ist egoman und unrealistisch.

Von niemandem wird erwartet, dass sie/er auf der Stelle z.B. Japanisch in Wort und Schrift perfekt beherrscht und weitergeben (lehren) kann.

Von Müttern wird ALLES zu jeder Zeit erwartet und vorausgesetzt. Wie soll das leistbar sein???
Es ist gar nicht möglich!

In den seltensten Fällen verlassen Mütter ihr Kind tatsächlich.
Dieser traurige Umstand wird aber allzu gerne pauschalisiert, in vielerlei Hinsicht.
Sogar im jahrelangen Zusammenleben wird der Vorwurf “ich-Kind-wurde-verlassen” erhoben.

Mütter sind menschlich, auch mit ihren Unfähigkeiten, über die sie, wie jeder andere Mensch auch, verfügen.

Versuchen wir doch einmal den IST Zustand hinzunehmen, statt weitere Forderungen zu stellen.
Versuchen wir doch einmal, damit klarzukommen, und zu sagen: Mutter konnte vielleicht nicht noch mehr, nicht anders.
Sie machte, WIE es ihr möglich war, und NICHT weil sie das Kind betrügen/verlassen/schädigen wollte, sondern weil sie einfach nur MENSCH ist. Unperfekt wie jeder andere auch.

Ich selber bin Mutter 2er Töchter, die mich ihre unausgesprochenen Vorwürfe nur durch Ausgrenzung und Ignoranz spüren lassen.
Von heute auf morgen offenbarte sich ein tatsächlich schleichender Prozess, der lange gar nicht wahrnehmbar/identifizierbar war.

Seit 10 Jahren suche ich immer wieder mal das Gespräch, erhalte keinerlei Antwort/en.
Durch eine Gesprächstherapie versuchte ich “meine Fehlerquellen” aufzudecken. Ich kann mir nichts Gravierendes vorwerfen, trotzdem werde ich wie eine Aussätzige behandelt, was einer permanenten seelischen Misshandlung gleicht.
4 Enkelkinder werden in dieses Desaster eingebunden. 2 Enkel “dürfen” mich sporadisch sehen, 2 kennen mich überhaupt nicht.
Das Umfeld meiner Töchter (Partner, Freunde, Verwandte, sogar die anderen Großeltern) schaut zu, alternativ weg.
Mein Umfeld fühlt sich “überfordert”. Einzige Unterstützung die ich erfahre, ist seitens der Gesprächstherapeutin.
Am heutigen Tage werde ich eine Mediatorin erstmalig sprechen.
Nach 10 Jahren Schweigen meiner Töchter versuche ich noch immer eine Möglichkeit zur Lösung “der mir unbekannten Probleme” anzustreben, irgendwie zu finden.

“Großartigen” Kontakt zu meinen Töchtern möchte ich mittlerweile nicht mehr, aber ich möchte den 2 bekannten Enkeln Oma sein, und auf die 2 anderen warten, bis sie eventuell im entsprechenden Alter sich selbständig auf die Suche nach mir begeben.
Ich möchte sagen können: ich habe wirlich sehr viel unternommen, um diese Familie “zu retten”, nicht weil ich ein Helfersyndrom oder Langeweile habe, sondern weil ich sehe, wie sich hier ein Missstand durch Generationen zieht, den es zu unterbinden gilt, damit Enkel keine schlechte Erbschaft weitertragen müssen.

Die “Rolle” der Mutter, die Frauen gesellschaftlich abverlangt wird ist nicht erfüllbar. Darüber sollten sich u.a. “erwachsene Kinder” dringend Gedanken machen.


Mit besten Grüßen
Susanne1958


Zitat:
Christa Schäfer
Dienstag, 6. Dezember 2011 17:41


Hallo Susanne,

besten Dank für Ihren ausführlichen und leidenschaftlichen Bericht.

Mit Ihren Worten haben wir wieder eine neue Sichtweise, die zu sehen ist:
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie eine Mutter, die von Ihren Töchtern “verlassen” wurde,
wenn auch nicht direkt, so doch durch Minderung des Kontaktes bis hin zum Kontaktabbruch mit den Enkelkindern. Dadurch werden Sie dann sogar zur “verstoßenen Großmutter” – und das ist erneut eine nicht zustande gekommene oder verpasste oder zerstörte Beziehungsstruktur innerhalb des Familiengefüges …

Sie plädieren sehr deutlich für ein Verständnis für die Mütter, die ja alle auch ihren Lebensrealitäten, ihren Lebenssituationen und Lebens”zwängen” unterliegen. Dieser Aspekt darf natürlich nicht übersehen werden. Mütter sind menschlich, so schreiben Sie …

Schön, wenn das gegenseitige Verständnis für die jeweilige andere Rolle ein wenig wachsen könnte. Aber das ist oft sehr schwierig, weil die Verletzungen groß sind – auf beiden Seiten …

Prima, dass Sie an Mediation denken. Damit wird nicht zurückgeschaut, es wird auch nicht “therapiert”, sondern es wird ein Weg gesucht, der von jetzt an in die Zukunft wirken kann. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass auch eine oder beide Ihrer Töchter zustimmen. Letztlich leiden alle Parteien in solchen “verlassenen Situationen” – das ist jedenfalls meine Erkenntnis, die ich durch all die Gespräche gewonnen habe, die ich in letzter Zeit mit verlassenen Müttern und verlassenden Töchtern oder auch verlassenden Müttern und verlassenen Töchtern geführt habe.

Weiterhin viel Kraft
und besten Dank
Christa Schäfer


Zitat:
Liebe und Dankbarkeit
Samstag, 11. Februar 2012 1:44


Guten Tag

Ich spreche aus eigener Erfahrung und kann weitgehend dem Text von Susanne zustimmen. Es ist keinesfalls so, dass zwangsläufig vor dem Abbruch ein wesentlicher Konflikt geschwellt haben muss, der zu dem Zerwürfnis (ein Abbruch ist immer eine Form von Zerwürfnis) vorhergegangen sein muss. Wie ich persönlich erfahren musste, können andere Menschen und schwierige Lebensumstände eine junge Persönlichkeit in der Reifezeit dahin gehend beeinflussen, dass diese den Kontakt zu den Eltern abbricht. Im Glauben, sich damit selber (und eventuell gleichzeitig auch den Eltern) etwas Gutes zu tun.

Es ist ein Befreiungsschlag aus einer drückenden Situation (z.B. Leistungsdruck im Studium oder Schwierigkeiten in einer Liebesbeziehung) – nur ist das Ziel falsch gewählt. Aufgrund von äusseren Umständen ist diese Person vielleicht im Moment nicht in der Lage nicht zu erkennen, dass nicht die Eltern Ursache vom Unwohlsein sind, sondern sie selber in Umständen und Verbindungen stehen, welche sie belasten. Da diese vielleicht dieser Person im Moment als zu wichtig erscheinen (oder es auch sind), um aufgegeben zu werden, der Druck aber nicht mehr auszuhalten ist, entlädt sich der ganze Frust an den Eltern. Mit dem Akt eines Beziehungsabbruchs kann man als Kind Macht demonstrieren, Macht, welcher vorher in den Händen in den Eltern lag. Das Kind war abhängig von den Eltern und diese hätten jederzeit das Kind in jeder Hinsicht fallen lassen können. Nun wird diese Macht vom Kind an sich gerissen und gegenüber den Eltern ausgespielt, weil dieser junge Mensch sich momentan nicht in der Lage sieht, sich von den tatsächlichen Druck- und Frustations-Verursachern lösen zu können. Warum und wieso ist dann natürlich individuell sehr verschieden.

Begleitet wird das Ganze noch von einer selbst geschaffenen Eiseskälte und der Respekt geht gänzlich verloren. Und wenn man sich das anschaut als Eltern, dann ist man natürlich sehr traurig und bestürzt, muss aber einfach erkennen, dass es nicht die eigene Entscheidung war. Es ist diese andere Person, sein Kind, dass nun in die Verantwortung gehen muss für seine Taten und sein Denken.

Man muss einfach das Kind segnen und darum bitten, dass es für sich die richtigen Entscheidungen treffen und erkennen kann, wenn es sich auf seinem Weg korrigieren muss. Mehr kann man nicht tun. Man muss auch anerkennen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt es keine Frage der Erziehung mehr ist, sondern des individuellen Charakters der Person. Es gibt viele Menschen, die hatten wunderbare Eltern und sind in schlechte Kreise gekommen und sind z.B. kriminell geworden oder soziopathisch. Ebenso gibt es wunderbare Kinder, die ein grosses Herz für ihre Eltern haben, welche vermutlich für ihr Elternsein keinen Trostpreis hätten gewinnen können.

Letztlich kann man nur das eigene Herz und die Haustüre für sein Kind offen halten. Aber dies ist grundsätzlich immer im Umgang mit anderen Menschen wichtig. Und hier möchte ich nochmals festhalten, wir sind alle Individuen, jeder geht seinen eigenen Weg. Es gibt gute und eher destruktive Charaktere und solche, die noch viel lernen müssen. Es gibt Verbrecher und es gibt Heilige. Wie sich Menschen entwickeln hängt von vielen Erfahrungen und Umständen ab und nicht nur, wie sich Eltern dem Kind gegenüber verhalten haben.

Und wenn ein Kind gehen will, dann lass es gehen. Es wäre zwar schade, wenn es nie mehr zu einer guten Beziehung kommt, aber keinen Weltuntergang. Die Welt ist voller Menschen, wer die Liebe nicht annehmen will soll es lassen, ein anderer ist vielleicht dankbar dafür. Ich sage immer: “am Ende wird alles gut und wenn nicht, ist es auch nicht das Ende”. Aber erfahrungsgemäss setzen sich die bewährten Dinge durch, d.h. alles was man gesät hat wird irgendwann gedeihen. Es braucht oft auch Zeit. Wenn man loslässt, kommt das Kind auch in den meisten Fällen wieder zurück (ausser natürlich der Grund waren grobe Misshandlungen) und sonst muss man es halt so hinnehmen und dankbar sein, dass es dem Kind sonst gut geht und man seine Aufgabe erfüllen durfte.

Wir alle sind nur Wanderer auf einer langen Reise und wir haben Beziehungen, tiefe und oberflächliche. Es ist einfach so, wir können unserer Freundin näher stehen als dem eigenen Vater oder unser Kind kann uns fremder werden als der Nachbar. Das gefällt uns zwar nicht so vom Konzept her, ist aber die Realität. Ich sehe darin nichts Verwerfliches. Es ist immer wie es ist. Wenn man sich nicht wirklich viel vorzuwerfen hat (ausser den Fehlern, die man halt gemacht hat als Mutter oder Vater, die als “normal” bezeichnet werden und nichts mit Misshandlungen zu tun haben) – aber sich sicher ist, es war okay wie man das Kind erzogen hat und wie der Umgang mit ihm war – dann muss man sich auch darauf besinnen. Sich klar vor Augen halten, dass die Formel “Kind geht weg, also bin ich schuld” nicht in Stein gemeisselt ist, sondern das es auch genauso gut heissen kann “ich war eine sehr gute Mutter, aber mein Kind geht trotzdem weg”.

In dem Sinne ist es auch Pflicht, sich nicht vom eigenen Weg selber abzubringen und sich in tiefe Depressionen zu stürzen. Das bringt niemanden was. Man muss seinem Leben mehr Sinn geben, als sich nur über die Beziehung respektive das Leben eines Ehepartners oder Kindes zu definieren. Man ist die stolze Mutter oder der stolze Vater, der man vorher war, immer noch ist und immer sein wird.

Keep cool!


Zitat:
Christa Schäfer
Sonntag, 12. Februar 2012 18:50


Besten Dank für diesen ausführlichen Beitrag, der sicherlich für viele Betroffene äußerst interessant ist sicherlich Betroffene zu weiteren Gedanken anregt bzw. zu “trösten” vermag. Der Beitrag verhilft zu einer weiteren Sichtweise (wie wir in der Mediation sagen) und weist darauf hin, dass in so einem Fall das Stellen der “Schuldfrage” nicht weiter bringt. Kräftig ist auch Ihr Appell bei mir angekommen, als verlassene Eltern sich selber nicht aufzugeben, sondern realistisch “nach vorne” zu schauen …

Nochmals besten Dank für Ihre Gedanken
sagt Christa Schäfer
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